Eines trüben Novembertages des Jahres 2006, kurz vor meinem Geburtstag, fand ich mich an der mir nichts sagenden Ecke Weser-/Weichselstraße in Neukölln wieder – schräg gegenüber der mir bekannten Wohnung vom Herrn Abel – wie mir aber erst einige Tage später klar werden sollte…
Neukölln war nicht meine erste Wahl, man wollte damals nach Kreuzberg – aber das war da schon zu teuer – und von hier aus waren es ja nur 300m bis Kreuzberg, wie mir mein Stadtplan sagte (ein Google Maps auf Papier gedruckt, für die, die sich nicht erinnern können).
Vor allem aber klang die Beschreibung regelrecht ideal: 4. Stock, Vorderhaus, Balkon, Wannenbad – und für das ganze zahlte mein Vormieter, Herr Sven Chmiel, damals 220€/Monat inkl. warm! Ofenheizung allerdings…aber damals suchte man das Abenteuer, nach den Jahren der schwäbischen Verzärtelung in Ludwigsburg.
Als ich die Wohnung dann betrat, war mein Erstaunen noch größer. Die Wohnung erschien mir bei der Besichtigung gar nicxht zu enden – das waren definitiv mehr als die ausgewiesenen 69m2 (wie sich später herausstellen sollte, sind es 91) – und vor allem in den obskuren Schnitt hatte ich mich sofort verliebt.
Der Zustand war freilich eine Katastrophe, von der Einrichtung zu schweigen, aber ich wollte ja was zum Renovieren. Der einzige Haken war: das Bad – viel zu klein für die große Wohnung und ohne Fenster.
Die Küche war dafür riesig. Wenn auch mit gruseliger Holzdecke und katastrophalem Plastikboden. Aber darunter waren Dielen…
Im Schlafzimmer ein schlimmer welliger Teppichboden. Aber groß und mit 2 Fenstern.
Und das Wohnzimmer inklusive Balkon war dann das Highlight. Zwar nur Sonne bis etwa 14h, aber dafür mit einer sehr hübschen Markise…und der einzige Balkon auf dei Kreuzunbg hinaus, die so groß ist, dass sie für meine Ludwigsburg gewöhnten Augen mit seinem Kopfsteinpflaster beinahe wie ein Platz erschien. Das war ganz klar der Balkon des Captain der Kreuzung…
Der einzige echte Haken war – die Frau mit den dunklen Haaren. Sie wollte selbstverständlich wie Wohnung auch unbedingt.
Aber es war ganz klar, dass ich das nicht zulassen konnte. Und so begann ein diplomatisches Gefeilsche über etwa 2 Wochen mit regelmäßigen Anrufen bei Herrn Chmiel, damit er mich an die Hausverwaltung empfehlen würde – was er nach Möglichkeit versuchen wollte, nachdem ich ihm die Kohlen, die er noch im Keller hatte versprochen hatte abzulösen, sowie die hässliche Rattan-Couch, die aus einem mir bis heute unerklärlichen Grund irgendwann in die Wohnung gekommen sein muss, aber unmöglich dort wieder rauszubringen war.
Aber natürlich auch ein Geflirte mit allem mir zur Verfügung stehenden Charme mit Frau Ebens, der zuständigen Dame von der Hausverwaltung – einer tollen Frau mit aller professionellen hamburger Härte, aber durchaus offen für die alpenländischen Versicherungen eines jungen Regisseurs und Tischlers, der selbstverständlich dem maroden Bad einen neuen Boden fliesen wollte, sowie den Schimmelfleck im „Kampuschzimmer“ entfernen (einer absurd großen, aber unpraktisch langezogenen Abstellkammer – nach Süden!) – wobei er in beidem natürlich über immense Erfahrung verfügte…
So einigten wir uns darauf, dass ich diese Sanierung innert 3 Monaten zum Selbstkostenpreis erledigen würde und dafür die Miete bei 275€/Monat warm beginnen würde, und dann über 3 Jahre sich auf letztliche 345,- steigern sollte.
Was ich jetzt, 10 Jahre später, immer noch zahle. Übrigens hatte man viele Jahre die Staffelung vergessen gehabt – und bot mir letztlich an in etwa nur die Hälfte der Versäumnisse all dieser Jahre über ein Jahr verteilt nachzuzahlen. Ich habe Frau Ebens nie zu Gesicht bekommen – aber ich kann nur das Beste über sie sagen!












